Heinrich Beck - ein Erfinderleben

Heinrich Beck         Heinrich Beck wurde am 20. September 1878 als Sohn des Pfarrers Gustav Rudolf Beck und Alma Beck, geb. Schuffner, im thüringischen Bad Salzungen geboren. Die praktische Arbeit als Schlossergeselle weckte sein technisches Interesse. Zwar hatte er einige Jahre das Gymnasium besucht, doch kam die handwerkliche Tätigkeit seinen Neigungen eher entgegen.
     Es folgte eine Studienzeit am Polytechnikum in Hildburghausen und als Gasthörer bei Adolf Slaby, dem ersten Ordinarius für Elektrotechnik und Maschinenbau an der TH Charlottenburg. Schon damals hatte er sich mit der Konstruktion und Herstellung einer Dynamomaschine beschäftigt. Dies führte zur ersten Berührung mit der Lichttechnik, als dieses Gerät zur Speisung einer Scheinwerfer-Bogenlampe eingesetzt wurde.
     Das Meininger Tageblatt vom 23.4.1896 berichtete darüber: Der im dritten Semester stehende Schüler des Polytechnikums zu Hildburghausen Heinrich Beck, Sohn des verstorbenen Pfarrers zu Queienfeld, ein für die Elektrotechnik ganz besonders veranlagter und begeisterter
Jüngling, hat in seinen Freistunden und während der Ferienzeit zum Zwecke der Beleuchtung G. Eichhornschen Maschinenfabrik eine durchaus sauber gearbeitete Dynamomaschine nach der neuesten Konstruktion fertiggestellt, welche ihre Bestimmung zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Der mit der Maschine verbundene Scheinwerfer wirkt glänzend auf weite Entfernung. Hiermit hat die elektrische Beleuchtung unseres Wissens zum zweiten Mal - vor einigen Wochen erhielt nämlich eine Galerie des Residenzschlosses bereits elektrisches Licht - in hiesiger Stadt Einzug gehalten, und voraussichtlich wird in kurzem eine weitere Ausbreitung dieser modernen Errungenschaft hier erfolgen.
Haus Waldfrieden      1902 lernte Heinrich Beck seine spätere Frau Bertha kennen, die an seiner Geschäftstätigkeit auf dem Gebiet der Lichttechnik maßgeblich beteilig sein sollte. Mit nur wenigen 100 Mark geliehenen Geldes richtete er sich dann 1903 im Keller eines vor der Stadt gelegenen Gasthauses eine einfache Forschungsstätte ein, die heute als Gründungszelle des späteren physikalisch-technischen Laboratoriums gelten kann. Hier erforschte Heinrich Beck auf der Basis neuester wissenschaftlicher Veröffentlichungen wie Die Elektrizität in Gasen von Dr. Johann Stark (1902) die Möglichkeiten moderner Beleuchtungstechnik.
     In diesem Labor wurde die Entwicklung der ersten "selbstregelnden (uhrwerklosen)" Bogenlampe (1903) soweit vorangetrieben, dass im Jahre 1906 mit einigen sorgfältig hergestellten Musterlampen der Schritt an die öffentlichkeit getan werden konnte. Bogenlampen fanden sich im Berlin der Jahrhundertwende an vielen wichtigen Plätzen sowie im Ausland. Heinrich Beck hatte dafür ein entsprechendes Exposé verfasst, in dem er die unkomplizierte Bauweise seiner Erfindung und die damit verbundenen niedrigeren Anschaffungskosten betonte (ca. 10 M für die regelwerklose Becklampe im Vergleich zu den bis dahin verwendeten mechanisch geregelten Bogenlampen mit einem Stückpreis von 60-110 M). Die Lampen wurden interessierten Geldgebern vorgeführt und überzeugten. Zu den technischen Details sei auf die Die Becklampe verwiesen.
Stammhaus Deutsche Beckbogenlampengesellschaft Frankfurt/Main           1906 kam es zur Gründung der Deutsche Beck-Bogenlampen-Gesellschaft in Frankfurt/Main mit Sitz in der Blücherstraße 22. Selbstständige Gesellschaften gab es in England mit der Beck Flame Lamp Limited, in Amerika mit der Beck Flaming Lamp Co. in New York und der Beck Pacific Lamp Co. in San Francisco sowie in Italien mit der Società Italiana Lampade ad Arco e Impianti Ellectrici, Ing. R.Colombo e C. in Rom und der Exploitation Française des Lamps à Arc Brevets Beck im französischen Neuilly sur Seine.
Der Sohn des Erfinders, Harald Beck auf der Becklampe Außerdem ist aus dem spanischen Becklampen-Katalog und der Anzeige erkennbar, dass die Becklampe weltweit bis nach Afrika mit Erfolg eingesetzt wurde.
     Heinrich Beck wurde zum Technischen Direktor bestellt und bezog eine Wohnung in der Schadowstraße in Frankfurt-Sachsenhausen. Es folgte eine Zeit nervenaufreibender Tätigkeit mit Weiterentwicklungsarbeiten an der Lampe, Patentstreitigkeiten und Reisen zur Beratung von Kunden im In- und Ausland. Die Bogenlampe lag dabei immer im Wettbewerb mit der Metalldrahtglühlampe, die zu dieser Zeit noch nicht mit ausreichender Leistung verfügbar war.
     Von Beginn an war Heinrich Beck neben Fred Chamier Geschäftsführer der Gesellschaft in Frankfurt und gleichzeitig Leiter des Physikalisch-technischen Laboratoriums in Meiningen. Diese parallele Tätigkeit verlangte eine intensive Korrespondenz, um Details der Bogenlampenproduktion sowie der Entwicklung von Brennscheren bzw. Thermopolen für das Friseurhandwerk zu erörtern, mit denen sich Heinich Beck auch beschäftigte. Ein zentrales Thema waren die unterschiedlichen Auffassungen zwischen dem Erfinder und Chamier über die Haltbarkeit der sogenannten Auflageböcke der Becklampe.
     1908 entwickelte sich ein Konflikt zwischen Heinrich Beck auf der einen und dem Beirat der Deutsche Beck-Bogenlampen-Gesellschaft, Louis Geiershöfer, auf der anderen Seite über die Frage, ob die Gesellschaft alle weiteren Patente Heinrich Becks kostenlos nutzen dürfe oder nur jene Verbesserungen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit Verbesserungen der Becklampe stünden. Einen entsprechenden Passus des Geschäftsführervertrages, in dem diese freie Patentnutzung durch die Gesellschaft festgeschrieben wurde, hatte der Erfinder stets abgelehnt und den Vertrag bis zu einer Klärung des Sachverhalts nicht unterschrieben. Während dieser beiden Jahre seiner Arbeit in dieser Stellung waren alle übrigen Bestimmungen des Vertrages jedoch weitgehend eingehalten worden, sodass offenbar eine gewisse Rechtsunsicherheit über diesen Passus gegeben war.
    Heinrich Beck setzte sich mit diesem Problem in einem 17-seitigen Brief an die Gesellschaft explizit auseinander, nachdem er gegen seinen Willen von seinem Posten als Geschäftsführer entbunden worden war. Strittig war dabei auch die Patentvergabe der Gesellschaft ins Ausland, an der Heinrich Beck sich unzureichend beteiligt sah. Er übertrug in der Folge dieser Auseinandersetzung dann seine Rechte und Beteiligungen an den verbliebenen Geschäftsführer Chamier und widmete sich mit
dem daraus erlösten Kapital in der Folgezeit dann intensiv der Scheinmwerferentwicklung.
     Währenddessen geriet die Deutsche Beck-Bogenlampen-Gesellschaft in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten und 1912 wurde - laut Auskunft des Hessischen Wirtschaftsarchives in Darmstadt - die Firma im Adressbuch der Stadt Frankfurt für das Jahr 1912 als "in Liquidation befindlich" vermerkt. Heinrich Beck stand nun wegen der Thermopol-Entwicklung für das Friseurhandwerk in Verhandlungen mit der Nationale Wärme-Apparate-Gesellschaft mbH (NAWAG) in Frankfurt/Main, der jetzt jener Herr Lange vorstand, der vorher bei der Deutschen Beck-Bogenlampen-Gesellschaft offenbar während der krankheitsbedingten Abwesenheit des Direktors Chamier gegen diesen intrigiert hatte. Technische Details der Thermopole erörterte Heinrich Beck mit dem Görlitzer Ingenieur Ernst Hasselkus.
Versuchsraum-Ansichten           Er richtete sich in Meiningen in einer neugebauten, repräsentativen Villa ein, für die damalige Zeit perfekt ausgestattetes, Labor ein und widmete sich dort in völliger Ungestörtheit dem elektrischen Lichtbogen und seiner Anwendung als hochintensiver Lichtquelle. über die folgende Zeit sei auf Der Beckscheinwerfer verwiesen.
     Heinrich Beck zog in dem Zeitschriftenartikel über Erfinden und die Psychologie des Erfinders eine Bilanz aus seinen langjährigen Erfahrungen als Entwickler der Becklampe und des Beckscheinwerfers - es blieb dies der einzige größere Aufsatz von seiner Hand:
     "Besonders ungünstig hinsichtlich des Anspornes liegen die Verhältnisse in der Regel bei solchen Personen, die sich in einem Angestelltenverhältnis befinden. Hier bedingen die Verhältnisse in der Regel, daß der Angestellte keine freie Verfügung über seine Erfindungen hat, ja daß ein solcher dieselben nicht einmal nach seinem Belieben durchführen kann, wozu noch kommt, daß häufig auch die geistige Urheberschaft von mehreren zusammen arbeitenden Angestellten in Anspruch genommen wird. Solche Verhältnisse müssen natürlich stark lähmend auf die vorerwähnten Triebkräfte einwirken. Die Leiter der großen industriellen Unternehmungen sind sich dieses Mißstandes wohl bewußt, doch ist es außerordentlich schwierig, denselben abzustellen, da selbst der beste Vertrag nur einen Kompromiß für beide Teile darstellen kann, der sich dem idealen Zustande in der Regel nicht weit genug nähert.
Vorläufer des Heinrich-Beck-Instituts 1910      Die stärksten Triebkräfte werden bei dem freien Erfinder vorhanden sein, das heißt bei einem solchen, der vollständig unabhängig für sich selbst arbeiten kann. Die meisten Mißerfolge haben wohl Erfinder dadurch, daß ihre Kenntnisse zur erfolgreichen Durchführung der Erfindung nicht ausreichen. Die Erfindungsmöglichkeit erstreckt sich über ein außerordentlich großes und fast unübersehbares Gebiet von dem allereinfachsten Gebrauchsgegenstand, zu dessen Schaffung nur geringe Kenntnisse erforderlich sind, bis zu den kompliziertesten Anordnungen, die eine weitgehende, technische und wissenschaftliche Kenntnis voraussetzen. Die verlangte Kenntnis erstreckt sich aber noch viel weiter. Um eine Erfindung erfolgreich durchführen zu können, handelt es sich nicht nur darum, dieselbe technisch zu vollenden, sondern dieselbe muß auch praktisch, das heißt gewinnbringend eingeführt werden.
     Hier ist es in erster Linie nötig, soviel Kenntnis von der Marktlage zu haben, um beurteilen zu können, ob für die Erfindung ein Bedürfnis oder ein genügend großes Absatzgebiet vorliegt, ob nicht schon ähnliche Erfindungen vorhanden sind, welcher Widerstand von eventueller Konkurrenz zu erwarten ist und dergleichen mehr. Außerdem muß der Erfinder die nötige Selbsterkenntnis haben, um beurteilen zu können, ob er die Verwertung, die meist kaufmännischer Natur ist, in richtiger Weise eigenhändig durchführen kann, oder ob er die rechtzeitige Mitarbeit anderer heranzuziehen hat. Reicht nach irgendeiner Seite die Kenntnis des Erfinder nicht aus, sei es auch nur, daß er seine Erfindung selbst zu hoch einschätzt, so werden ihm schmerzliche Enttäuschungen nicht erspart bleiben.
     Am bedauerlichsten ist aber derjenige Erfinder, welcher, nachdem er technisch eine Idee erfolgreich vollendet hat, durch mangelnde Geschäftskenntnis von gewissenlosen Ausbeutern um den Lohn seines jahrelangen Ringens und Strebens gebracht wird. Aber selbst, wenn es dem Erfinder gelungen ist, seine Erfindung erfolgreich in die Praxis einzuführen, wird er sich in den meisten Fällen noch nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen können. Je bedeutender und wertvoller die Erfindung, umso mehr werden ihm Gegner entstehen, die ihm entweder das Erfinderrecht streitig machen wollen, um sich dann in bequemer Weise der Arbeit des Erfinders bedienen zu können, oder die in oft geradezu schamloser Weise das gesetzliche Erfinderrecht verletzen und für ihre Geschäftszwecke benutzen, hoffend, daß es ihnen später durch lange hinausgeschleppte Prozesse schon gelingen werde, den Erfinder mürbe, für seine Pläne geeignet oder widerstandslos zu machen zu können. Hier heißt es oft gegen dunkle Ehrenmänner zu kämpfen, die nicht einmal davor zurückschrecken, solche widerrechtlich benutzte Erfindungen offenkundig als ihre eigene Erfindung auszugeben.      Heinrich Beck und Scheinwerfer in den 1930er Jahren
Hier muß der Erfinder genügende Kenntnis und Erfahrung haben, um solchen betrügerischen Manipulationen erfolgreich begegnen zu können, insbesondere wird ihn solche Kenntnis veranlassen, sein Unternehmen dem Erfindungsgegenstand entsprechend genügend kapitalkräftig auszugestalten".
     Am 17. August 1937 verstarb Heinrich Beck völlig unerwartet an einem Herzinfarkt. In einem Nachruf in der Zeitschrift für technische Physik hieß es: "Heute werden in der ganzen Welt große Scheinwerfer für Marine und insbesondere Flugabwehr nur noch nach dem Beckschen Prinzip gebaut, während die früher verwendeten Reinkohlenscheinwerfer gänzlich verschwunden sind. Nach dem unglücklichen Kriegsende kehrte Beck nach Deutschland zurück und widmete sich in aller Stille der weiteren Verbesserung und Ausgestaltung seiner Erfindung, obwohl damals für die wirtschaftliche Ausnutzung solcher, in erster Linie für Heereszwecke bestimmter Apparate kaum Interesse bestand.
     Erst in letzter Zeit, und insbesondere durch die Bedürfnisse der neuen deutschen Wehrmacht, fanden diese Verbesserungen Anwendung. So konnten zwar die letzten Jahre seinem Schaffensdrang genügen, brachten jedoch auch durch ihre vermehrte Anspannung eine starke Belastung seiner Gesundheit. Mitten im Schaffen, bei der Durchführung neuer grundlegender Messungen starb Heinrich Beck im Alter von 59 Jahren am 17. August 1937 an einem plötzlichen Herzschlag, von allen betrauert, die ihn näher kannten. Vielleicht der bemerkenswerteste Zug seines Charakters war seine fast zu große Bescheidenheit.
     Er hat sich nie nach äußeren Ehrungen und Anerkennungen gedrängt. Auch literarisch trat er selbst nur in einer einzigen größeren Arbeit hervor. Als ein durch seine praktisch-technische Ausbildung 'selbst gemachter Mann' hatte er stets den klaren Blick für die Notwendigkeiten der Wirklichkeit, und diesem klaren Blick hat er die Mehrzahl seiner Erfolge zu verdanken. Daneben zeigte er auch eine erstaunliche Beherrschung der theoretischen Grundlagen seines Fachgebietes. Von diesem Erfahrungsschatz war er stets bereit, ihm näher oder ferner stehenden Mitarbeitern oder Fachleuten abzugeben. All diese und ferner jene, die sein feines gütiges Wesen kannten, das zwischen hoch und niedrig keinen Unterschied kannte, werden ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahren
".

Hochzeit Heinz Beck

Beck-Familiengrab                   Seine Arbeit wurde von den beiden Söhnen Heinz und Harald über den nächsten Krieg hinweg fortgeführt. Sie erbrachte als letzten Höhepunkt einen Scheinwerfer mit einer 1000-A-Lampe und 3 Meter Spiegeldurchmesser. Dieser kam jedoch nicht mehr zum Einsatz, wie auch die Hochleistungsscheinwerfer allgemein durch das Aufkommen der Radartechnik obsolet wurden. Auch auf anderen Gebieten der Lichttechnik wurde die Kohlebogenlampe durch andere Hochintensitätslichtquellen, wie der wesentlich einfacher zu betreibenden Xenon-Bogenlampe abgelöst.

     Bis zur Erfindung des Lasers ist der Beckbogen jedoch die Lichtquelle mit der höchsten optischen Leistungsdichte geblieben. Mit dem Verschwinden des Hochintensitätslichtbogens beim Einsatz in der Lichttechnik verlagerten sich die Anwendungsmöglichkeiten auf andere Gebiete. Das Werk von Heinrich Beck lebt daher in den plasmatechnischen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des Meininger Labors bis heute fort.