Zurück



Gustav Beck      Ich - Gustav Rudolf Beck - der 25. evangelische Pfarrer in Queienfeld, bin geboren zu Meiningen den 29. Mai 1833. Mein Vater war der Rat und Hauptkassierer Heinrich Beck, und meine Mutter Friederieke, geb. Otto, verwitwete Albrecht, die beide aus dem Gothaischen stammten und bei der Landesteilung im Jahre 1826 durch Anfall des Amtes Kranichfeld, woselbst mein Vater Amtsvogt war, an Meiningen Angehörige dieses Landes wurden.
     Nachdem ich in Meiningen das Schreiber´sche Institut besucht, von da auf das dortige Gymnasium übergetreten und nach achteinhalbjährigem Besuch (von Michaelis 1843 bis Ostern 1852) dasselbe absolviert hatte, bezog ich die Universität Jena, um Theologie zu studieren. Die Hauptlehrer in dieser Fakultät waren damals Hase, Rückert, Grimm und Schwarz von Hilgenfeld.
     Ausserdem besuchte ich noch philosophische Collegien, Pädagogik bei Stog, Logik und Metaphysik bei Reinhold, Geschichte bei Dreysen und auch anderen. Zu Ostern 1855 verliess ich Jena und bereitete mich in meiner Vaterstadt zum 1. Examen vor, das im Herbst dieses Jahres stattfand und zwar in der Wohnung des Oberhofpredigers Dr. Ackermann, der erkrankt war -, und das ich mit der Zensur "gut" bestand. Gegen Weihnachten trat ich als Hauslehrer beim Appelationsgerichtspräsidenten, Geheimrat v. Fischer, Exc. in Hildburghausen ein, in welcher Stellung ich bis zu meinem 2. Examen im Juni 1857 verblieb.
     Nachdem ich dieses abgelegt, begab ich mich im August darauf nach Westpreussen, um im Hause des Freiherrn von Kayserling in Lissewo bei Putbus - 4 Meilen hinter Thorn an der russisch-polnischen Grenze - die Erziehung und den Unterricht seiner vier Kinder zu übernehemen. Von da wurde ich zu Ostern 1859 zur Ordination nach Meiningen abgerufen, und nachdem diese am Sonntag Jubilate in der hiesigen Stadtkirche durch Oberkirchenrat Schaubach stattgefunden, ging ich auf Anordnung meiner Behörde nach Camburg, um daselbst als Gehilfe des Superindendenten Kirchner meine erste Anstellung im Dienst der Landeskirche zu finden.
     Am 29. Mai - predigte ich daselbst vormittags zum ersten Male. Daselbst blieb ich bis August 1862, zu welcher Zeit die Stelle des Oberpfarrers und Superindendenten in Camburg, die durch den im Herbst 1861 erfolgten Tod des Kirchner erledigt worden war, neu besetzt wurde. Da eine Gelegenheit zu meiner definitiven Anstellung als Geistlicher sich leider nicht vorfand, musste ich nochmals als Vikar eintreten und zwar in Driedelshausen im Amte Sand (Wasunger Diäzöse), woselbst der designierte Pfarrer Heussinger wegen verschiedener Körperleiden nicht mehr zu amtieren im Stande war. Ich hatte hier das ganze Pfarramt zu versehen, also auch die schriftlichen pfarramtlichen Obliegenheiten (Kirchenbuchführung, Berichterstattung) wahrzunehmen, weshalb mir auch diese Friedelshäuser Vikariatsjahre auf meine definitive Dienstzeit angerechnet worden sind. Im Herbst des Jahres 1865 kam ich von hier nach Immelborn als Pfarrer, woselbst ich mich verheiratete und bis zum Herbste 1869 - gerade 4 Jahre - blieb.
     Ich verzog um diese Zeit nach Salzungen, wo ich vom dortigen Gemeinderat zum Diakonus erwählt, als solcher am 5. September./d. 15. n. Tr.) durch den Superintendenten Gleichmann eingeführt wurde. Im Jahre 1874 verstarb daselbst meine Frau Aline, geb. Heineke, Tochter des Amtswundarztes Heineke in Salzungen. Sie hat mir zwei Töchter geschenkt, von denen die älteste in Immenborn geboren ist. Um ihnen, da sie bei dem Tode ihrer guten Mutter noch klein waren, die nötige mütterliche Pflege wieder zuzuwenden, mir selbst aber, dem Vereinsamten, eine treu liebende Freundin zur Seite zu stellen, entschloss ich mich zu einer zweiten Ehe und zwar mit Alma Scheffner, Tochter des Administrations-Rat Scheffner in Meiningen, mit der ich im Juli 1875 in der Schlosskirche daselbst getraut wurde.
     Zwei Knaben waren die Frucht dieser Ehe. In den Jahren 1879 und 1881 hatte ich schwere Krankheiten durchzumachen, infolge deren ich, um meinen geschwächten Körper mehr schonen zu können, nach einer ruhigen Stellle verlangte. Durch die Einziehung der zweiten geistlichen Stelle in Salzungen war nämlich mein Dienst daselbst ein körperlich sehr anstrengender geworden.(Abschiedspredigt von Gustav Beck 1883 in der Stadtkirche zu Salzungen)
     Auf mein desfallsiges Gesucht erhielt ich die hiesige Pfarrstelle, in die ich am 7. Oktober 1883 - dem 20. n. Tr. - durch Herrn Oberkirchenrat Schaumbach unter Assistenz des Kreisassessors Dr. Schmidt feierlichst eingeführt wurde, nachdem ich sechs Tage zuvor, am 1. Oktober hier eingezogen und von der Gemeinde höchst freundlich und eherenvoll empfangen worden war. Möge Gott mein Wirken an diesem Ort mit seinem Segen krönen und bei Kraft und Gesundheit mich und die Meinigen erhalten.
(Aufzeichnung aus dem Kirchenbuch der Kirche zu Queienfeld)